30. – 31. Juli 2011

Die Uebernachtung in Harrison Hot Springs war un­spek­ta­ku­la­er. Der Campingplatz noch un­spek­ta­ku­lae­rer. Einer der schlech­tes­ten um ehr­lich zu sein. Und mit der Eisenbahnlinie hin­ter dem Zelt. Eine gu­te Eingewoehnung in das Leben mit der ein­zi­gen Eisenbahn West-Ost-Verbindung die uns in den fol­gen­den Wochen fast im­mer be­glei­ten soll­te…

In Hope ho­len wir Christof ab und ma­chen uns auf den Weg Richtung Kamloops. Auf dem Trans Canada Highway 1 durch den Fraser Canyon. Eine atem­be­rau­ben­de Fahrt! Wow!

Fraser Canyon

Fraser Canyon

Selbst in die­sem Canyon be­glei­tet ei­nen die Eisenbahnlinie auf Schritt und Tritt. Und dies teil­wei­se min­des­tens ge­nau­so atem­be­rau­bend wie die Strasse selbst. Weil die zwei Eisenbahngesellschaften Canadas, Canadian National und Canadian Pacific, wa­eh­rend der Bauphase nicht ge­ra­de sehr gut auf­ein­an­der zu spre­chen wa­ren ha­ben sie je­weils ei­ne ei­ge­ne Bahntrasse ge­baut. Jeder auf sei­ner ei­ge­nen Seite des Canyons. Heute hin­ge­gen tei­len sie sich die Strecken und auf ei­ner Seite wird flussauf- und auf der an­de­ren fluss­ab­wa­erts ge­fah­ren.

Beim Bau der zwei­ten Strecke ver­kal­ku­lier­ten sich die Sprengmeister und ein gros­ser Felsbrocken lan­de­te im Fluss und er­schuf ei­ne schma­le Engstelle, heu­te Hell’s Gate ge­nannt.

Hell's Gate

Hell’s Gate

Eine al­te Skigondel bringt ei­nen tro­cke­nen Fusses ue­ber die ein­drucks­vol­len Stromschnellen auf die an­de­re Seite des Flusses.

Fraser und Thompson River

Fraser und Thompson River

Naechster Stop war in Lytton wo ich mich ue­ber Raftingmoeglichkeiten er­kun­dig­te und wir ein paar Meter zum Zusammenfluss des Fraser mit dem Thompson River ge­lau­fen sind. Ein in­ter­es­san­tes Bild, der Zusammenfluss des se­di­ment­be­la­de­nen Fraser Rivers mit dem kla­ren Thompson River.

Thompson River

Thompson River

Nach Lytton aen­der­te sich die Landschaft ab­rupt. Statt den end­lo­sen Waeldern er­streck­te sich ploe­tz­lich ei­ne kar­ge Praerielandschaft vor und ne­ben uns. Und selbst im Flusstal des Thompson Rivers war kaum ein grue­ner Zweig zu ent­de­cken. Lytton und das Thompson Valley sind al­ler­dings auch der Hotspot von British Columbia, wie ich spae­ter er­fah­ren ha­be…

Kamloops Lake

Kamloops Lake

Auf dem Campground des Steelhead Provincial Parks am Kamloops Lake wa­ren wir dann dem See ob der er­fri­schen­den Abkuehlung sehr dank­bar. Ebenso mor­gens, denn ab sie­ben Uhr hat man es im Zelt kaum mehr aus­ge­hal­ten.

Am naechs­ten Tag ging es re­la­tiv un­spek­ta­ku­la­er wei­ter in Richtung Norden. Kurz nach Kamloops wa­ren wir dann wie­der mit end­lo­sen Waeldern um­ge­ben und in Clearwater ha­ben wir zum ers­ten Mal auf der Tour ei­nen Regenschauer er­wischt.

Uebrigens: Der ka­na­di­sche Wetterbericht scheint nicht sehr zu­ver­la­es­sig zu sein. Immer wenn ich den Wetterbericht ge­checkt ha­be war fu­er den ue­ber­naechs­ten Tag Regen an­ge­ku­en­digt. Immer! Und let­zend­lich at dann im­mer! die Sonne ge­schie­nen…

Wei­tere Bil­der gibt es hier…

Nein, ich bin nicht vom Baeren ge­fres­sen wor­den! Ich le­be noch! 🙂

Allerdings war ich die letz­ten 1 1/2 Wochen fern­ab jeg­li­cher Blogging-Moeglichkeit und bin erst heu­te wie­der in Vancouver Downtown an­ge­kom­men.

Somit bin ich auch schon am Ende mei­ner Reise an­ge­kom­men. Zweieinhalb Tage blei­ben noch um noch­mals ein biss­chen durch Vancouver zu strei­fen und Sightseeing nach­zu­ho­len – was ich zu Beginn mei­ner Reise aus schie­rer Faulheit nicht auf die Reihe ge­bracht ha­be. Da war aus­ru­hen und chil­len erst­mal wich­ti­ger…

In Vancouver ist ge­ra­de 11 Uhr abends, ich bin tod­mue­de und des­halb fol­gen die Berichte und Bilder der letz­ten Wochen erst mor­gen oder hof­fent­lich die naechs­ten Tage ir­gend­wann. Stay tu­n­ed…

Bahn fah­ren in Kanada ist ei­ne ganz an­de­re Dimension als in Deutschland. Von den Entfernungen und Fahrzeiten her, als auch vom System an sich.

Eine Zugfahrt hat of­fen­bar im­mer ein biss­chen Kaffeefahrt-Charakter. Ein lus­ti­ger Schaffner der hau­fen­wei­se Clowns ge­früh­stückt hat ver­sorgt al­le Reisenden in un­re­gel­mä­ßi­gen Abständen mit in­ter­es­san­ten und un­in­ter­es­san­ten Informationen über die Einöde die ge­ra­de durch­quert wird. Bei be­son­ders schö­nen Wasserfällen oder an­de­ren Sehenswürdigkeiten wird dann ger­ne auch mal lang­sa­mer ge­fah­ren, da­mit auch ja je­der Fotos ma­chen kann.
Hilfreich ist hier­bei auch der rund­um ver­glas­te „Dome“ mit 360° Aussicht der aus man­chen Wagons her­aus­ragt.
Zudem wird in un­re­gel­mä­ßi­gen Abständen an grö­ße­ren, rich­ti­gen Bahnhöfen auch mal ei­ne Stunde an­ge­hal­ten um al­le sau­be­ren Fenster noch sau­be­rer zu put­zen…

Durch blit­ze­blan­ke Scheiben hat man al­so mit­un­ter auch wirk­lich ei­ne phä­no­me­nal gran­dio­se Aussicht. Der bes­te Kommentar au­ßer stau­nen­den „Ahhh’s“ und „Ohhh’s“ kam da­zu üb­ri­gens von ei­nem fünf­jäh­ri­gen Mädchen ei­ne Reihe vor mir. Wir fah­ren am ma­jes­tä­tisch grü­nen und rie­sen­gro­ßen „Moose Lake“ vor­bei und sie meint zu ih­rer Mutter: „Woooow! Mommy, look! How did na­tu­re do all this gre­at stuff?!“ 😉

Gepäck wird ganz „old­school“ beim ein­stei­gen auf­ge­ge­ben und in ei­nem ei­ge­nen Gepäckabteil ge­la­gert – un­er­reich­bar wäh­rend der Fahrt. Selbstverständlich kühlt die Klimaanlage auf nord­ame­ri­ka­nisch fros­ti­ge Temperaturen und wer nicht ge­nü­gend Pullis aus dem Rucksack mit­ge­nom­men hat, hat Pech ge­habt.

Neben ei­ni­gen tou­ris­ti­schen Halten kommt es durch­aus auch vor, dass ir­gend­wo im Niemandsland an ei­nem „Bahnhof“ für ei­ne Zigarettenpause an­ge­hal­ten wird. „Aber nicht län­ger als zehn Minuten weg­ge­hen, folks!“

Bei ei­nem die­ser Stopps ha­ben die Zugführer hau­fen­wei­se Essen aus dem Speisewagen ab­ge­holt. Bei ei­nem spä­te­ren Halt im Nirgendwo konn­te ich dann dank Kurvenlage und ge­nü­gend Ausblick be­ob­ach­ten, dass ge­stoppt wur­de, um die Zugführer des ent­ge­gen­kom­men­den Güterzugs mit Essen zu ver­sor­gen…

Auf den ers­ten Blick recht lus­tig, aber dann doch nach­voll­zieh­bar. Bei 16 Stunden Fahrzeit des Personenzuges von Edmonton nach Kamloops (Straße: 800 km) will ich nicht wis­sen, wie lang so ein Güterzug un­ter­wegs ist. Da wür­de ich auch Hunger be­kom­men…

Apropos Güterzug: 120 Wagons und mehr sind kei­ne Seltenheit. Da wird dann auch ger­ne mal mit drei Loks vor­ne, ei­ner in der Mitte und ei­ner am Ende ge­fah­ren. Sonst kä­men die teil­wei­se vier Kilometer lan­gen Züge ja auch kaum vor­wärts, ge­schwei­ge denn über die Pässe in den Rockies.

Unnützes Wissen am Rande: Die ka­na­di­sche Bahn trans­por­tiert mehr Güter im Jahr als die Deutsche Bahn, da­für trans­por­tiert die DB an ei­nem Tag (!) mehr Fahrgäste als die ka­na­di­sche Bahn im gan­zen Jahr!

Wie ge­sagt, zug­fah­ren ist hier eher ein tou­ris­ti­sches Vergnügen als ein be­que­mes oder gar schnel­les Fortbewegungsmittel.

Da die Bahn so ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rolle im Personentransport spielt, lie­gen Bahnhöfe auch nicht wie aus Deutschland ge­wohnt zen­tral in der Stadt, son­dern meist ki­lo­me­ter­weit au­ßer­halb am Rande des Güterbahnhofs an ei­nem Abstellgleis.

Wenn man dann um halb zwölf nachts in Kamloops an­kommt, kann das durch­aus Schwierigkeiten be­rei­ten…
Übrigens hat man bei ma­xi­mal ei­nem Zug pro Tag in West- oder Ostrichtung auch kei­ne Wahl wann man wo an­kom­men möch­te…

Last but not least: Trotz Kaffeefahrt und lang­sa­mem Tempo ka­men wir über ei­ne Stunde frü­her als ge­plant in Kamloops an. Und das wie­der­um wür­de man bei der DB wohl nie be­ob­ach­ten 😉

Nach ob­li­ga­to­ri­schem Empfang der Roaming-Gebühren-Info-SMS beim ers­ten Einschalten des Handys im Land war schnell klar, dass mich die Nutzung mei­ner deut­schen SIM-Karte arm ma­chen wür­de… 2 € für ei­ne Minute Gespräch, 70 Cent für ei­ne SMS – da muss­te ei­ne an­de­re Lösung her. Ich rech­ne zwar nicht mit hoch­fre­quen­ter Handynutzung, aber al­lein schon um mal kurz zu­hau­se ein paar Leute wis­sen zu las­sen, dass ich noch nicht vom Bären ge­fres­sen wur­de, war dann ei­ne ka­na­di­sche Prepaid-Karte das klei­ne­re Übel.

Was ich aber nicht wuss­te und mir auch kei­ner der nu­scheln­den Asiaten beim Verkauf der SIM-Karte mit­zu­tei­len ge­dach­te, war die Tatsache, dass die Kanadier zwi­schen Lokalen und Ferngesprächen un­ter­schei­den. Und ein Handy ei­ne lo­ka­le Nummer be­sitzt. Nun ha­be ich al­so ei­ne Vancouver Handynummer, bin aber die meis­te Zeit au­ßer­halb Vancouvers un­ter­wegs und muss des­halb im­mer teu­re Ferngespräche zah­len. Auslandsgespräche und an­ge­ru­fen wer­den ist ge­nau­so teu­er. Fail! 🙁
Informationen da­zu fin­det man aber we­der in der Infobrochüre noch auf der Website des Anbieters…

Hinzu kommt, dass nach Aktivierung der ka­na­di­schen SIM-Karte mei­ne deut­sche O2-Karte nicht mehr vom Handy er­kannt wird…

Was für ein Chaos!

28. – 29. Juli 2011

Nach der Whale Watching Tour und an­schlies­sen­der Fahrt in Richtung Port Alberni sind wir dort in der Naehe auf ei­nem klei­nen Provincial Park Campground un­ter­ge­kom­men. Sehr schoen an ei­nem See ge­le­gen…

Sonnenuntergang am Sprout Lake

Sonnenuntergang am Sprout Lake

Der See dient un­ter an­de­rem als Basis fu­er die be­kann­ten Martin Mars Fire Bomber, die groess­ten Loeschflugzeuge der Welt. Ein kur­zer Besuch im Musuem war da am naechs­ten Morgen noch drin. Da die Waldbrandsaison noch nicht be­gon­nen hat, war da auch noch al­les ganz ru­hig.

Little Qualicum Falls

Little Qualicum Falls

Weiter ging’s dann Richtung Vancouver, mit ei­nem kur­zen Zwischenstopp im Little Qualicum Falls Provincial Park der ei­ni­ge ganz net­te Wasserfaelle zu bie­ten hat­te:

Mit der Faehre ging es dann nach­mit­tags zu­ru­eck nach Vancouver, wo wir sprich­wo­ert­lich un­ter der Bruecke schlie­fen – na­ja, zu­min­dest auf ei­nem Campingplatz. Trotzdem un­ter ei­ner der am meis­ten be­fah­re­nen Bruecken der Stadt…

Am naechs­ten Tag stand noch ein Abstecher zum Lynn Canyon auf dem Programm und dann die Weiterfahrt in Richtung Hope um dort nach ei­ner Woche Tour Christof mit ins Boot zu ho­len.

Wei­tere Bil­der gibt es hier…