von weiten reisen, nerdigen skripten und kreativem agenturleben
15 Aug
Bahn fahren in Kanada ist eine ganz andere Dimension als in Deutschland. Von den Entfernungen und Fahrzeiten her, als auch vom System an sich.
Eine Zugfahrt hat offenbar immer ein bisschen Kaffeefahrt-Charakter. Ein lustiger Schaffner der haufenweise Clowns gefrühstückt hat versorgt alle Reisenden in unregelmäßigen Abständen mit interessanten und uninteressanten Informationen über die Einöde die gerade durchquert wird. Bei besonders schönen Wasserfällen oder anderen Sehenswürdigkeiten wird dann gerne auch mal langsamer gefahren, damit auch ja jeder Fotos machen kann.
Hilfreich ist hierbei auch der rundum verglaste „Dome“ mit 360° Aussicht der aus manchen Wagons herausragt.
Zudem wird in unregelmäßigen Abständen an größeren, richtigen Bahnhöfen auch mal eine Stunde angehalten um alle sauberen Fenster noch sauberer zu putzen…
Durch blitzeblanke Scheiben hat man also mitunter auch wirklich eine phänomenal grandiose Aussicht. Der beste Kommentar außer staunenden „Ahhh’s“ und „Ohhh’s“ kam dazu übrigens von einem fünfjährigen Mädchen eine Reihe vor mir. Wir fahren am majestätisch grünen und riesengroßen „Moose Lake“ vorbei und sie meint zu ihrer Mutter: „Woooow! Mommy, look! How did nature do all this great stuff?!“
Gepäck wird ganz „oldschool“ beim einsteigen aufgegeben und in einem eigenen Gepäckabteil gelagert — unerreichbar während der Fahrt. Selbstverständlich kühlt die Klimaanlage auf nordamerikanisch frostige Temperaturen und wer nicht genügend Pullis aus dem Rucksack mitgenommen hat, hat Pech gehabt.
Neben einigen touristischen Halten kommt es durchaus auch vor, dass irgendwo im Niemandsland an einem „Bahnhof“ für eine Zigarettenpause angehalten wird. „Aber nicht länger als zehn Minuten weggehen, folks!“
Bei einem dieser Stopps haben die Zugführer haufenweise Essen aus dem Speisewagen abgeholt. Bei einem späteren Halt im Nirgendwo konnte ich dann dank Kurvenlage und genügend Ausblick beobachten, dass gestoppt wurde, um die Zugführer des entgegenkommenden Güterzugs mit Essen zu versorgen…
Auf den ersten Blick recht lustig, aber dann doch nachvollziehbar. Bei 16 Stunden Fahrzeit des Personenzuges von Edmonton nach Kamloops (Straße: 800 km) will ich nicht wissen, wie lang so ein Güterzug unterwegs ist. Da würde ich auch Hunger bekommen…
Apropos Güterzug: 120 Wagons und mehr sind keine Seltenheit. Da wird dann auch gerne mal mit drei Loks vorne, einer in der Mitte und einer am Ende gefahren. Sonst kämen die teilweise vier Kilometer langen Züge ja auch kaum vorwärts, geschweige denn über die Pässe in den Rockies.
Unnützes Wissen am Rande: Die kanadische Bahn transportiert mehr Güter im Jahr als die Deutsche Bahn, dafür transportiert die DB an einem Tag (!) mehr Fahrgäste als die kanadische Bahn im ganzen Jahr!
Wie gesagt, zugfahren ist hier eher ein touristisches Vergnügen als ein bequemes oder gar schnelles Fortbewegungsmittel.
Da die Bahn so eine untergeordnete Rolle im Personentransport spielt, liegen Bahnhöfe auch nicht wie aus Deutschland gewohnt zentral in der Stadt, sondern meist kilometerweit außerhalb am Rande des Güterbahnhofs an einem Abstellgleis.
Wenn man dann um halb zwölf nachts in Kamloops ankommt, kann das durchaus Schwierigkeiten bereiten…
Übrigens hat man bei maximal einem Zug pro Tag in West– oder Ostrichtung auch keine Wahl wann man wo ankommen möchte…
Last but not least: Trotz Kaffeefahrt und langsamem Tempo kamen wir über eine Stunde früher als geplant in Kamloops an. Und das wiederum würde man bei der DB wohl nie beobachten
Hej hej, jag heter Tobias och är tjugofyra år gammal. Das, liebe Freunde der Sprachenkultur, war Schwedisch. Und nochmals auf deutsch: mein Name ist Tobias und ich bin 24 Jahre alt. An der Hochschule der Medien in Stuttgart habe ich acht Semester "Druck- und Medientechnologie" studiert. Anfang 2007 habe ich mich mit [mediaversal] selbstständig gemacht, meinem StartUp das mir die Zeit des Studiums etwas versüßte. Seit April 2011 arbeite ich jedoch festangestellt bei der pagina GmbH und entwickle und gestalte E-Books. Und was sonst noch so los ist erfahrt ihr hier im Blog!
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