von weiten reisen, nerdigen skripten und kreativem agenturleben
21 Jul
Liebe Deutsche Bahn,
ich fahre jedes Jahr viele hunderte Kilometer mit Ihnen und mag Sie ja eigentlich sehr. Und normalerweise verzeihe ich kleine Verspätungen auch, aber was ich am vergangenen Freitag, den 17. Juli 2009, innerhalb von 24 Stunden erleben durfte, schlägt dem Fass den Boden aus.
Ich habe mich um 7:22 Uhr am frühen Morgen von Stuttgart auf den Weg nach Tübingen gemacht. Kurz vor Wendlingen hielt der Regional„express“ auf offener Strecke an. Sperrung wegen Oberleitungssschaden. 25 Minuten Stillstand, dann im Schritttempo zurück nach Plochingen. Dort hieß es, es würden Busse bis Nürtingen fahren. Als alle Fahrgäste am Busbahnhof standen hieß es, es gibt keine Busse, der Zug fährt wieder. Und als wir dann alle gerade im Zug platzgenommen hatten hieß es, der Zug fährt doch nicht. Letztendlich fuhr ein Dieseltriebwagen bis Wendlingen wo wir vor der Einfahrt in den Bahnhof nochmals gute 15 Minuten warten durften.
Aber auch in Wendlingen hat das mit dem Schienenersatzverkehr nicht so ganz geklappt. Für mittlerweile zwei! komplette Regionalzüge wurde ein einziger Bus bereitgestellt. Wie kann man denn so planen?!
Nach einer weiteren halben Stunde Warten am Bahnsteig wurden weitere Busse bereitgestellt. Der Zugverkehr wurde ebenfalls wieder aufgenommen.
Um 11 Uhr bin ich nach 3½-stündiger Odyssee mit mehr als 2 ½ Stunden Verspätung in Tübingen angekommen. Dort musste ich mir von Ihren nicht gerade freundlichen Servicekräften sagen lasse, dass es im Regionalverkehr noch nicht mal eine Erstattung des Fahrpreises gibt.
Eine Frechheit.
Nun geht das Chaos aber leider noch in eine zweite Runde.
Abends musste ich von Tübingen nach Pforzheim und bin aus terminlichen Gründen mit der Regionalbahn über Horb und Calw gefahren. Durch ein Unwetter und umgestürzte Bäume auf den Gleisen durfte ich die zweite Streckensperrung an diesem Tag erleben. Von Bad Teinach aus gab es Schienenersatzverkehr bis Bad Liebenzell. Der Busfahrer war kurz angebunden und meinte nur, er müsse sich beeilen damit der Anschlusszug in Bad Liebenzell noch erreicht wird.
Dort angekommen war die Regionalbahn Richtung Pforzheim leider schon abgefahren und ihre Fahrgäste standen sprichwörtlich im (strömenden) Regen. Und nun kommen Sie mal von Bad Liebenzell weg. Wie können Sie in solch einer Situation eigentlich die Regionalbahn nach Pforzheim abfahren lassen ohne auf den Bus zu warten?!
Wir ließen Freunde und Bekannte aus Pforzheim herfahren und bildeten Fahrgemeinschaften um irgendwie alle Fahrgäste privat nach Pforzheim zu befördern. Was ja — nur nebenbei erwähnt — eigentlich Ihre Aufgabe sein sollte…
Verspätung diesmal: 50 Minuten. Hätten wir auf den nächsten „regulären“ Zug gewartet: mindestens 100 Minuten.
Auch wenn ich schon recht unfreundlich erfahren habe, dass es im Regionalverkehr keine Erstattung des Fahrpreises gibt sende ich Ihnen in diesem Brief dennoch meine zwei Fahrkarten mit. Vielleicht zeigen Sie sich nach der Lektüre dieser amüsanten Bahnreise doch noch kulant und erstatten mir den Fahrpreis. Immerhin habe ich soeben mit der Verlängerung meiner BahnCard 50 für weitere 115,- € Umsatz in Ihren Kassen gesorgt. Ich kann nur hoffen, dass Sie das Geld auch gut investieren.
Mit freundlichsten Grüßen,
Ihr Tobias Fischer
P.S.: Auch heute, am 21. Juli 2009, hat das leider nicht so ganz geklappt. Schon wieder Streckensperrung in Richtung Tübingen. Immerhin konnten wir erst gar nicht in den Zug einsteigen und wurden über Herrenberg nach Tübingen geschickt. „Nur“ ca. 40 Minuten Verspätung. Das ist doch schonmal ein guter Anfang
Weiter so!
Hej hej, jag heter Tobias och är tjugofyra år gammal. Das, liebe Freunde der Sprachenkultur, war Schwedisch. Und nochmals auf deutsch: mein Name ist Tobias und ich bin 24 Jahre alt. An der Hochschule der Medien in Stuttgart habe ich acht Semester "Druck- und Medientechnologie" studiert. Anfang 2007 habe ich mich mit [mediaversal] selbstständig gemacht, meinem StartUp das mir die Zeit des Studiums etwas versüßte. Seit April 2011 arbeite ich jedoch festangestellt bei der pagina GmbH und entwickle und gestalte E-Books. Und was sonst noch so los ist erfahrt ihr hier im Blog!
2 Kommentare zu “Liebe Deutsche Bahn…”
Hallo und guten Tag,
die Beschreibung der Osysee hat mich zum Lachen gebracht, wenn die Situation nur nicht so ernst wäre. Auch ich bin Pendler auf der Strecke TÜ-S und am 21. Juli hat sich die Bahn wie bereits erwähnt mal wieder ein Glanzstück erlaubt. Zunächst hiess es auf Gleis 16, der Zug wir mit 5 Minuten Verspätung bereitgestellt. Dann hiess es plötzlich, der Zug fällt aus und wir sollten von Gleis 2 mit dem 17:22 Zug fahren. Dieser Zug war leider brechendvoll. In Plochingen sehen wir dann, wie der abgesagte Zug an uns verbeirauscht — keine Chance zum Umsteigen. Schwitzend und stehend sind wir bis Nürtingen gekommen, wo es wieder Endstation war — Probleme im Stellwerk in Metzingen — wieder umsteigen in Dieselzug. Endlich einen Platz gefunden. Da ich leider auchg mein Handy vergessen hatte, konnte ich leider meine Frau nicht verständigen, die mich am TÜ HBF abholt. Taxi nach Hause genommen und 18 Euro bezahlt. Alles in allem nicht sehr erfreulich. Die Koordinierung und Kommunikation bei der Bahn hat noch sehr viel Verbesserungspotential
Ohje, das hört sich in der Tat ebenso stressig an…
Ich glaube, hätte ich am 21. den Zug um 17:22 erwischt und wäre wieder in Plochingen gestanden, dann wäre ich nicht mehr ganz so ruhig geblieben wie am Freitag morgen. Die kommenden Tage und Wochen muss ich wieder öfters durch dieses Nadelöhr. Ich kann nur hoffen, dass das alles ohne Probleme abläuft!
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