Liebe Deut­sche Bahn,

ich fahre je­des Jahr viele hun­derte Ki­lo­me­ter mit Ih­nen und mag Sie ja ei­gent­lich sehr. Und nor­ma­ler­weise ver­zeihe ich kleine Ver­spä­tun­gen auch, aber was ich am ver­gan­ge­nen Frei­tag, den 17. Juli 2009, in­ner­halb von 24 Stun­den er­le­ben durfte, schlägt dem Fass den Bo­den aus.

Ich habe mich um 7:22 Uhr am frü­hen Mor­gen von Stutt­gart auf den Weg nach Tü­bin­gen ge­macht. Kurz vor Wend­lin­gen hielt der Regional„express“ auf of­fe­ner Stre­cke an. Sper­rung we­gen Ober­lei­tungs­sscha­den. 25 Mi­nu­ten Still­stand, dann im Schritt­tempo zu­rück nach Plochin­gen. Dort hieß es, es wür­den Busse bis Nür­tin­gen fah­ren. Als alle Fahr­gäste am Bus­bahn­hof stan­den hieß es, es gibt keine Busse, der Zug fährt wie­der. Und als wir dann alle ge­rade im Zug platz­ge­nom­men hat­ten hieß es, der Zug fährt doch nicht. Letzt­end­lich fuhr ein Die­sel­trieb­wa­gen bis Wend­lin­gen wo wir vor der Ein­fahrt in den Bahn­hof noch­mals gute 15 Mi­nu­ten war­ten durften.

Aber auch in Wend­lin­gen hat das mit dem Schie­nen­er­satz­ver­kehr nicht so ganz ge­klappt. Für mitt­ler­weile zwei! kom­plette Re­gio­nal­züge wurde ein ein­zi­ger Bus be­reit­ge­stellt. Wie kann man denn so pla­nen?!
Nach ei­ner wei­te­ren hal­ben Stunde War­ten am Bahn­steig wur­den wei­tere Busse be­reit­ge­stellt. Der Zug­ver­kehr wurde eben­falls wie­der aufgenommen.

Um 11 Uhr bin ich nach 3½-stündiger Odys­see mit mehr als 2 ½ Stun­den Ver­spä­tung in Tü­bin­gen an­ge­kom­men. Dort musste ich mir von Ih­ren nicht ge­rade freund­li­chen Ser­vice­kräf­ten sa­gen lasse, dass es im Re­gio­nal­ver­kehr noch nicht mal eine Er­stat­tung des Fahr­prei­ses gibt.
Eine Frechheit.

Nun geht das Chaos aber lei­der noch in eine zweite Runde.
Abends musste ich von Tü­bin­gen nach Pforz­heim und bin aus ter­min­li­chen Grün­den mit der Re­gio­nal­bahn über Horb und Calw ge­fah­ren. Durch ein Un­wet­ter und um­ge­stürzte Bäume auf den Glei­sen durfte ich die zweite Stre­cken­sper­rung an die­sem Tag er­le­ben. Von Bad Tein­ach aus gab es Schie­nen­er­satz­ver­kehr bis Bad Lie­ben­zell. Der Bus­fah­rer war kurz an­ge­bun­den und meinte nur, er müsse sich be­ei­len da­mit der An­schluss­zug in Bad Lie­ben­zell noch er­reicht wird.

Dort an­ge­kom­men war die Re­gio­nal­bahn Rich­tung Pforz­heim lei­der schon ab­ge­fah­ren und ihre Fahr­gäste stan­den sprich­wört­lich im (strö­men­den) Re­gen. Und nun kom­men Sie mal von Bad Lie­ben­zell weg. Wie kön­nen Sie in solch ei­ner Si­tua­tion ei­gent­lich die Re­gio­nal­bahn nach Pforz­heim ab­fah­ren las­sen ohne auf den Bus zu war­ten?!
Wir lie­ßen Freunde und Be­kannte aus Pforz­heim her­fah­ren und bil­de­ten Fahr­ge­mein­schaf­ten um ir­gend­wie alle Fahr­gäste pri­vat nach Pforz­heim zu be­för­dern. Was ja — nur ne­ben­bei er­wähnt — ei­gent­lich Ihre Auf­gabe sein sollte…
Ver­spä­tung dies­mal: 50 Mi­nu­ten. Hät­ten wir auf den nächs­ten „re­gu­lä­ren“ Zug ge­war­tet: min­des­tens 100 Minuten.

Auch wenn ich schon recht un­freund­lich er­fah­ren habe, dass es im Re­gio­nal­ver­kehr keine Er­stat­tung des Fahr­prei­ses gibt sende ich Ih­nen in die­sem Brief den­noch meine zwei Fahr­kar­ten mit. Viel­leicht zei­gen Sie sich nach der Lek­türe die­ser amü­san­ten Bahn­reise doch noch ku­lant und er­stat­ten mir den Fahr­preis. Im­mer­hin habe ich so­eben mit der Ver­län­ge­rung mei­ner Bahn­Card 50 für wei­tere 115,- € Um­satz in Ih­ren Kas­sen ge­sorgt. Ich kann nur hof­fen, dass Sie das Geld auch gut investieren.

Mit freund­lichs­ten Grü­ßen,
Ihr To­bias Fischer

 

P.S.: Auch heute, am 21. Juli 2009, hat das lei­der nicht so ganz ge­klappt. Schon wie­der Stre­cken­sper­rung in Rich­tung Tü­bin­gen. Im­mer­hin konn­ten wir erst gar nicht in den Zug ein­stei­gen und wur­den über Her­ren­berg nach Tü­bin­gen ge­schickt. „Nur“ ca. 40 Mi­nu­ten Ver­spä­tung. Das ist doch schon­mal ein gu­ter An­fang ;-) Wei­ter so!