Mei­nem Rei­se­be­richt möchte ich eine kurze Liste an Ku­rio­si­tä­ten vor­an­stel­len, die in Schwe­den und Nor­we­gen (hier ver­all­ge­mei­nert mit „die Skan­di­na­vier“) schein­bar all­täg­lich sind — für den ge­mei­nen Mit­tel­eu­ro­päer je­doch ir­ri­tie­rend wir­ken können.

  • Da wäre zum ei­nen bei­spiels­weise die Tat­sa­che, dass die Skan­di­na­vier für alle er­denk­li­chen Au­ßen­tü­ren statt Tür­schlüss­len Tür­codes ver­wen­den. Willst du also ei­nen Freund be­su­chen, lass dir am bes­ten gleich vorab den Tür­code mit­tei­len, dann stehst du nicht lange dumm vor dem Miets­haus herum…
  • Wei­ter­hin an der Ta­ges­ord­nung: Kaum ein Su­per­markt quält seine Kas­sie­re­rin­nen und Kas­sie­rer mehr mit Klein­geld­hand­ling. Da­für gibt es ein Ma­schin­chen an der Kasse in das man seine Mün­zen wirft und das ei­nem da­nach sein Rück­geld ga­ran­tiert rich­tig her­aus­gibt.
    Wenn man aus Ge­wohn­heit das Geld dann doch der Kas­sie­re­rin in die Hand drü­cken will ist man lo­gi­scher­weise so­fort als Aus­län­der ent­larvt, auch wenn man zu­vor die Kom­mu­ni­ka­tion auf Schwe­disch (mehr oder we­ni­ger) per­fekt ab­sol­viert hat.
  • Die Skan­di­na­vier stel­len sich für ihr Le­ben gerne an! Die über­tref­fen im „queu­ing“ so­gar fast noch die Eng­län­der. Habt ihr euch schon­mal mit 20 an­de­ren Leu­ten an ei­nen Bank­au­to­mat an­ge­stellt? Schön in Reih und Glied? Und brav ewig­kei­ten ge­war­tet bis ihr an der Reihe seid? Also ich nicht. Und das ist hier jetzt auch keine Über­trei­bung.
    Die Härte war mei­ner Mei­nung nach je­doch die Schlange am Ta­xi­stand des Bahn­hofs in Gö­te­borg. Dort wur­den die Ta­xi­gäste so­gar von ei­nem Ein­wei­ser in Reih und Glied hin­ter der Ab­sper­rung ge­hal­ten, dass auch ja nie­mand drän­gelt und zu schnell sein Taxi be­kommt ;-)
  • Ein tol­les Hilfs­mit­tel um un­über­sicht­lich lan­ges Queu­ing zu ver­mei­den ist das Nummer-ziehen. Ken­nen wir Deut­schen nur von Be­hör­den­gän­gen oder aus dem Ar­beits­amt. Ist dort al­ler­dings in je­dem noch so klei­nen La­den zu fin­den. Am Bahn­hof oder in ähn­lich gro­ßen Ge­schäf­ten ma­chen sol­che Sys­teme durch­aus Sinn, aber dass ich so­gar als ein­zi­ger Kunde in ei­nem 15 m² Tante-Emma-Laden nicht ohne Num­mer be­dient werde finde ich dann doch et­was übertrieben.
  • Am­peln — zu­min­dest die für Fuß­gän­ger — könn­ten im Skan­di­na­vi­schen Raum auch ge­trost ab­ge­schafft wer­den. Hält sich eh kei­ner dran. Und den Po­li­zis­ten die di­rekt ne­ben mir stan­den als in Oslo ein nor­we­gi­scher Busi­ness­man um ein Haar bei Fußgänger-Rot über­fah­ren wor­den wäre, de­nen schien das auch egal ge­we­sen zu sein.
  • Und zu gu­ter Letzt möchte ich noch meine Mei­nung des letz­ten Jah­res re­vi­die­ren, dass die skan­di­na­vi­schen Bahn­ge­sell­schaf­ten ohne jeg­li­che Ver­spä­tung un­ter­wegs sind. ICH SELBST bin zwar wie­der ohne jeg­li­che Zug­ver­spä­tung un­ter­wegs ge­we­sen, meine Schwes­ter aber hat es auf der Rück­fahrt ei­nige Tage frü­her voll er­wischt. Wäre ja auch zu schön ge­we­sen um war zu sein…