Schräge Nordlichter
8
Okt
Meinem Reisebericht möchte ich eine kurze Liste an Kuriositäten voranstellen, die in Schweden und Norwegen (hier verallgemeinert mit „die Skandinavier“) scheinbar alltäglich sind — für den gemeinen Mitteleuropäer jedoch irritierend wirken können.
- Da wäre zum einen beispielsweise die Tatsache, dass die Skandinavier für alle erdenklichen Außentüren statt Türschlüsslen Türcodes verwenden. Willst du also einen Freund besuchen, lass dir am besten gleich vorab den Türcode mitteilen, dann stehst du nicht lange dumm vor dem Mietshaus herum…
- Weiterhin an der Tagesordnung: Kaum ein Supermarkt quält seine Kassiererinnen und Kassierer mehr mit Kleingeldhandling. Dafür gibt es ein Maschinchen an der Kasse in das man seine Münzen wirft und das einem danach sein Rückgeld garantiert richtig herausgibt.
Wenn man aus Gewohnheit das Geld dann doch der Kassiererin in die Hand drücken will ist man logischerweise sofort als Ausländer entlarvt, auch wenn man zuvor die Kommunikation auf Schwedisch (mehr oder weniger) perfekt absolviert hat.
- Die Skandinavier stellen sich für ihr Leben gerne an! Die übertreffen im „queuing“ sogar fast noch die Engländer. Habt ihr euch schonmal mit 20 anderen Leuten an einen Bankautomat angestellt? Schön in Reih und Glied? Und brav ewigkeiten gewartet bis ihr an der Reihe seid? Also ich nicht. Und das ist hier jetzt auch keine Übertreibung.
Die Härte war meiner Meinung nach jedoch die Schlange am Taxistand des Bahnhofs in Göteborg. Dort wurden die Taxigäste sogar von einem Einweiser in Reih und Glied hinter der Absperrung gehalten, dass auch ja niemand drängelt und zu schnell sein Taxi bekommt
- Ein tolles Hilfsmittel um unübersichtlich langes Queuing zu vermeiden ist das Nummer-ziehen. Kennen wir Deutschen nur von Behördengängen oder aus dem Arbeitsamt. Ist dort allerdings in jedem noch so kleinen Laden zu finden. Am Bahnhof oder in ähnlich großen Geschäften machen solche Systeme durchaus Sinn, aber dass ich sogar als einziger Kunde in einem 15 m² Tante-Emma-Laden nicht ohne Nummer bedient werde finde ich dann doch etwas übertrieben.
- Ampeln — zumindest die für Fußgänger — könnten im Skandinavischen Raum auch getrost abgeschafft werden. Hält sich eh keiner dran. Und den Polizisten die direkt neben mir standen als in Oslo ein norwegischer Businessman um ein Haar bei Fußgänger-Rot überfahren worden wäre, denen schien das auch egal gewesen zu sein.
- Und zu guter Letzt möchte ich noch meine Meinung des letzten Jahres revidieren, dass die skandinavischen Bahngesellschaften ohne jegliche Verspätung unterwegs sind. ICH SELBST bin zwar wieder ohne jegliche Zugverspätung unterwegs gewesen, meine Schwester aber hat es auf der Rückfahrt einige Tage früher voll erwischt. Wäre ja auch zu schön gewesen um war zu sein…
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