von weiten reisen, nerdigen skripten und kreativem agenturleben
Die Uebernachtung in Harrison Hot Springs war unspektakulaer. Der Campingplatz noch unspektakulaerer. Einer der schlechtesten um ehrlich zu sein. Und mit der Eisenbahnlinie hinter dem Zelt. Eine gute Eingewoehnung in das Leben mit der einzigen Eisenbahn West-Ost-Verbindung die uns in den folgenden Wochen fast immer begleiten sollte…
In Hope holen wir Christof ab und machen uns auf den Weg Richtung Kamloops. Auf dem Trans Canada Highway 1 durch den Fraser Canyon. Eine atemberaubende Fahrt! Wow!
Selbst in diesem Canyon begleitet einen die Eisenbahnlinie auf Schritt und Tritt. Und dies teilweise mindestens genauso atemberaubend wie die Strasse selbst. Weil die zwei Eisenbahngesellschaften Canadas, Canadian National und Canadian Pacific, waehrend der Bauphase nicht gerade sehr gut aufeinander zu sprechen waren haben sie jeweils eine eigene Bahntrasse gebaut. Jeder auf seiner eigenen Seite des Canyons. Heute hingegen teilen sie sich die Strecken und auf einer Seite wird flussauf– und auf der anderen flussabwaerts gefahren.
Beim Bau der zweiten Strecke verkalkulierten sich die Sprengmeister und ein grosser Felsbrocken landete im Fluss und erschuf eine schmale Engstelle, heute Hell’s Gate genannt.
Eine alte Skigondel bringt einen trockenen Fusses ueber die eindrucksvollen Stromschnellen auf die andere Seite des Flusses.
Naechster Stop war in Lytton wo ich mich ueber Raftingmoeglichkeiten erkundigte und wir ein paar Meter zum Zusammenfluss des Fraser mit dem Thompson River gelaufen sind. Ein interessantes Bild, der Zusammenfluss des sedimentbeladenen Fraser Rivers mit dem klaren Thompson River.
Nach Lytton aenderte sich die Landschaft abrupt. Statt den endlosen Waeldern erstreckte sich ploetzlich eine karge Praerielandschaft vor und neben uns. Und selbst im Flusstal des Thompson Rivers war kaum ein gruener Zweig zu entdecken. Lytton und das Thompson Valley sind allerdings auch der Hotspot von British Columbia, wie ich spaeter erfahren habe…
Auf dem Campground des Steelhead Provincial Parks am Kamloops Lake waren wir dann dem See ob der erfrischenden Abkuehlung sehr dankbar. Ebenso morgens, denn ab sieben Uhr hat man es im Zelt kaum mehr ausgehalten.
Am naechsten Tag ging es relativ unspektakulaer weiter in Richtung Norden. Kurz nach Kamloops waren wir dann wieder mit endlosen Waeldern umgeben und in Clearwater haben wir zum ersten Mal auf der Tour einen Regenschauer erwischt.
Uebrigens: Der kanadische Wetterbericht scheint nicht sehr zuverlaessig zu sein. Immer wenn ich den Wetterbericht gecheckt habe war fuer den uebernaechsten Tag Regen angekuendigt. Immer! Und letzendlich at dann immer! die Sonne geschienen…
25 Aug
Nein, ich bin nicht vom Baeren gefressen worden! Ich lebe noch!
Allerdings war ich die letzten 1 1/2 Wochen fernab jeglicher Blogging-Moeglichkeit und bin erst heute wieder in Vancouver Downtown angekommen.
Somit bin ich auch schon am Ende meiner Reise angekommen. Zweieinhalb Tage bleiben noch um nochmals ein bisschen durch Vancouver zu streifen und Sightseeing nachzuholen — was ich zu Beginn meiner Reise aus schierer Faulheit nicht auf die Reihe gebracht habe. Da war ausruhen und chillen erstmal wichtiger…
In Vancouver ist gerade 11 Uhr abends, ich bin todmuede und deshalb folgen die Berichte und Bilder der letzten Wochen erst morgen oder hoffentlich die naechsten Tage irgendwann. Stay tuned…
15 Aug
Bahn fahren in Kanada ist eine ganz andere Dimension als in Deutschland. Von den Entfernungen und Fahrzeiten her, als auch vom System an sich.
Eine Zugfahrt hat offenbar immer ein bisschen Kaffeefahrt-Charakter. Ein lustiger Schaffner der haufenweise Clowns gefrühstückt hat versorgt alle Reisenden in unregelmäßigen Abständen mit interessanten und uninteressanten Informationen über die Einöde die gerade durchquert wird. Bei besonders schönen Wasserfällen oder anderen Sehenswürdigkeiten wird dann gerne auch mal langsamer gefahren, damit auch ja jeder Fotos machen kann.
Hilfreich ist hierbei auch der rundum verglaste „Dome“ mit 360° Aussicht der aus manchen Wagons herausragt.
Zudem wird in unregelmäßigen Abständen an größeren, richtigen Bahnhöfen auch mal eine Stunde angehalten um alle sauberen Fenster noch sauberer zu putzen…
Durch blitzeblanke Scheiben hat man also mitunter auch wirklich eine phänomenal grandiose Aussicht. Der beste Kommentar außer staunenden „Ahhh’s“ und „Ohhh’s“ kam dazu übrigens von einem fünfjährigen Mädchen eine Reihe vor mir. Wir fahren am majestätisch grünen und riesengroßen „Moose Lake“ vorbei und sie meint zu ihrer Mutter: „Woooow! Mommy, look! How did nature do all this great stuff?!“
Gepäck wird ganz „oldschool“ beim einsteigen aufgegeben und in einem eigenen Gepäckabteil gelagert — unerreichbar während der Fahrt. Selbstverständlich kühlt die Klimaanlage auf nordamerikanisch frostige Temperaturen und wer nicht genügend Pullis aus dem Rucksack mitgenommen hat, hat Pech gehabt.
Neben einigen touristischen Halten kommt es durchaus auch vor, dass irgendwo im Niemandsland an einem „Bahnhof“ für eine Zigarettenpause angehalten wird. „Aber nicht länger als zehn Minuten weggehen, folks!“
Bei einem dieser Stopps haben die Zugführer haufenweise Essen aus dem Speisewagen abgeholt. Bei einem späteren Halt im Nirgendwo konnte ich dann dank Kurvenlage und genügend Ausblick beobachten, dass gestoppt wurde, um die Zugführer des entgegenkommenden Güterzugs mit Essen zu versorgen…
Auf den ersten Blick recht lustig, aber dann doch nachvollziehbar. Bei 16 Stunden Fahrzeit des Personenzuges von Edmonton nach Kamloops (Straße: 800 km) will ich nicht wissen, wie lang so ein Güterzug unterwegs ist. Da würde ich auch Hunger bekommen…
Apropos Güterzug: 120 Wagons und mehr sind keine Seltenheit. Da wird dann auch gerne mal mit drei Loks vorne, einer in der Mitte und einer am Ende gefahren. Sonst kämen die teilweise vier Kilometer langen Züge ja auch kaum vorwärts, geschweige denn über die Pässe in den Rockies.
Unnützes Wissen am Rande: Die kanadische Bahn transportiert mehr Güter im Jahr als die Deutsche Bahn, dafür transportiert die DB an einem Tag (!) mehr Fahrgäste als die kanadische Bahn im ganzen Jahr!
Wie gesagt, zugfahren ist hier eher ein touristisches Vergnügen als ein bequemes oder gar schnelles Fortbewegungsmittel.
Da die Bahn so eine untergeordnete Rolle im Personentransport spielt, liegen Bahnhöfe auch nicht wie aus Deutschland gewohnt zentral in der Stadt, sondern meist kilometerweit außerhalb am Rande des Güterbahnhofs an einem Abstellgleis.
Wenn man dann um halb zwölf nachts in Kamloops ankommt, kann das durchaus Schwierigkeiten bereiten…
Übrigens hat man bei maximal einem Zug pro Tag in West– oder Ostrichtung auch keine Wahl wann man wo ankommen möchte…
Last but not least: Trotz Kaffeefahrt und langsamem Tempo kamen wir über eine Stunde früher als geplant in Kamloops an. Und das wiederum würde man bei der DB wohl nie beobachten
13 Aug
Nach obligatorischem Empfang der Roaming-Gebühren-Info-SMS beim ersten Einschalten des Handys im Land war schnell klar, dass mich die Nutzung meiner deutschen SIM-Karte arm machen würde… 2 € für eine Minute Gespräch, 70 Cent für eine SMS – da musste eine andere Lösung her. Ich rechne zwar nicht mit hochfrequenter Handynutzung, aber allein schon um mal kurz zuhause ein paar Leute wissen zu lassen, dass ich noch nicht vom Bären gefressen wurde, war dann eine kanadische Prepaid-Karte das kleinere Übel.
Was ich aber nicht wusste und mir auch keiner der nuschelnden Asiaten beim Verkauf der SIM-Karte mitzuteilen gedachte, war die Tatsache, dass die Kanadier zwischen Lokalen und Ferngesprächen unterscheiden. Und ein Handy eine lokale Nummer besitzt. Nun habe ich also eine Vancouver Handynummer, bin aber die meiste Zeit außerhalb Vancouvers unterwegs und muss deshalb immer teure Ferngespräche zahlen. Auslandsgespräche und angerufen werden ist genauso teuer. Fail! ![]()
Informationen dazu findet man aber weder in der Infobrochüre noch auf der Website des Anbieters…
Hinzu kommt, dass nach Aktivierung der kanadischen SIM-Karte meine deutsche O2-Karte nicht mehr vom Handy erkannt wird…
Was für ein Chaos!
Hej hej, jag heter Tobias och är tjugofyra år gammal. Das, liebe Freunde der Sprachenkultur, war Schwedisch. Und nochmals auf deutsch: mein Name ist Tobias und ich bin 24 Jahre alt. An der Hochschule der Medien in Stuttgart habe ich acht Semester "Druck- und Medientechnologie" studiert. Anfang 2007 habe ich mich mit [mediaversal] selbstständig gemacht, meinem StartUp das mir die Zeit des Studiums etwas versüßte. Seit April 2011 arbeite ich jedoch festangestellt bei der pagina GmbH und entwickle und gestalte E-Books. Und was sonst noch so los ist erfahrt ihr hier im Blog!